Im Publikum von Neo Magazin Royale

Am 01. Februar 2017 fand im Studio König in Köln-Ehrenfeld die Aufzeichnung der neuen Staffel Neo Magazin Royale statt, welche am Folgetag in der Mediathek, die heimlich auch als Zweites Deutsches Internet bezeichnet wird, und (wer hätte das erwartet) bei ZDFneo sowie bei ZDF selbst ausgestrahlt wurde. Die größte Änderung der Sendung bestand darin, dass die Studiomusiker „Dendemann und die freie Radikale“ durch das „Rundfunktanzorchester Ehrenfeld“, welche bereits in Folge 48 einen Auftritt hatten, ersetzt wurden.

Und dank etwas Glück in der Ticketlotterie konnte ich für diese schmucke Veranstaltung Eintrittskarten bekommen. Und weil ich den Plural nutze hatte ich auch eine zweite Karte, um welche mich der liebe kepu94 erleichtert hat. Als Gegenleistung sind die folgenden Bilder teilweise von ihm zur Verfügung gestellt worden, weil meine eigenen qualitativ minderwertig sind.

Studio König

Studio König, nur echt mit Triceratops

Mehr als pünktlich haben wir uns auf den Weg nach Köln gemacht und sind trotz Baustellen auf der Autobahn auch mehr als pünktlich angekommen. Sogar so pünktlich, dass uns der Sicherheitsmitarbeiter zurückschickte und wir die Gelegenheit nutzten, um uns die Gegend anzusehen. Gar nicht mal so hübsch. Schnell wieder zurück auf das Studiogelände, auf dem sich inzwischen einige andere Zuschauer angesammelt hatten. Während der Wartezeit sind immer wieder Fahrzeuge auf das Gelände gefahren, in denen Jan Böhmermann oder sein Studiogast vermutet wurden. In den meisten Fällen waren es aber Mitbürger auf der verzweifelten Suche nach einer Abstellmöglichkeit für ihr Kraftfahrzeug im Urwald des Verkehrs einer Millionenstadt.
Etwa eine Stunde war verstrichen bevor wir das Studio betreten durften und zunächst die Taschenkontrolle passiert haben. Jetzt erst bemerkten wir, dass die Schlange bis zur Einfahrt des recht kleinen Geländes reichte. Die Angestellten sprachen von 250 Zuschauerplätzen, die zu füllen waren.

Papierarmband mit Platznummer

Reihe 4, Platz 18: Recht zentrale Plätze mit guter Sicht

Im Eingangsbereich wurde man nach erfolgreiche Ticketkontrolle und Nutzung der Garderobe mit dem Metallscanner bekannt gemacht. Ich vermute, dass iranische Staatsbürger unauffällig in den Keller gebracht wurden und dem Heizsystem des Studios zuträglich gewesen sein sollen. Aber wie so üblich will davon niemand etwas gewusst haben.
Darüber hinaus haben zwei förmlich gekleidete Herren dazu aufgefordert, nicht-biometrische Bilder zur Veröffentlichung in semisozialen Medien anzufertigen. Freiwillig hingegen war die Aufnahme von frischen Getränken sowie der Abgabe verbrauchter.

Tisch Jan Böhmermann

Offizieller Arbeitsplatz von Jan Böhmermann, Bild von kepu94

Nachdem alle Zuschauer das Studio betreten haben, hat ein angeblich aus den USA stammender, und trotz seinen Berliner Wohnortes überwiegend englischsprachiger Herr, der sich selbst „Paul“ nannte, die verbleibende Zeit bis zum Beginn der Aufzeichnung überbrückt, bevor sich die Aufnahmeleitung und schließlich Jan Böhmermann selbst dem Publikum zugewandt haben. Letzterer natürlich in gewohnter selbstironischer Art. Zwischenzeitlich hat sich auch Ralf Kabelka an sein Rednerpult gestellt.
Endlich wurde nun mit der Aufzeichnung begonnen. Zuerst sprach William Cohn einen kurzen Text bevor dem Publikum über zwei Bildschirme das „Boys don’t cry“-Video sowie das neugestaltete Intro gezeigt wurde. Allgemein konnte man als Zuschauer die Kameraperspektive verfolgen, welche auch in der fertigen Sendung zu sehen sein sollte.
Nun trat Jan Böhmermann in gewohnter Manier vor die Kamera und begann mit seinem Standup-Programm, welches sich überwiegend mit Donald Trump und Martin Chulz¹ beschäftigte, aber auch Tierwitze aus der Gut&Günstig-Reihe bei Edeka um die Ecke. Immerhin kam so Interaktion zwischen Moderator und den Musikern zustande, wenngleich diese deutlich zurückhaltender war als man es von Böhmer- und Dendemann gewohnt war.

Orchesterbühne

Ohne Dende, aber mit orchestraler Unterstützung, Bild von kepu94

Dennoch möchte ich das Orchester nicht schlechtreden, denn die folgende musikalische Darbietung von „Trump Up Uhe Jam“ als parodistische Version von Techtronic feat. Felly mit Pump Up the Jam aus dem Jahr 1989 wirkte durchaus vernünftig und halbwegs zur Sendung passend.
Auf Standup folgt Situp, was in der Tat ein bisschen merkwürdig klingt, aber offensichtlich so genannt wird. Inhaltlich geht es um die europaweite Aktion „Every Second Counts“ und die verschiedenen Redaktionen, die ihr Land als zweitbestes Land der Welt anpreisen wollen, nachdem die USA sich den ersten Platz angeeignet haben. Dieser Teil wurde übrigens zwei Mal aufgezeichnet, wobei Jan Böhmermann in beiden Takes den Twitteraccount der Kampagne falsch genannt hat, sich im zweiten Take korrigieren kann, so dass dieser genutzt wurde.
Studiogast für den Abend ist Kollegah gewesen, welcher von sich aus wenig zur Sendung beigetragen hat und teilweise teilnahmslos der Unterhaltung von Jan und Ralf zusah. Auch seine Antworten bei „Entscheide dich“ waren berechenbar und in gewisser Weise durch die Frage selbst intentioniert.
Nach dem offiziellen Abschluss der Sendung durch das Orchester sind der Internettrailer sowie ein Zeichenwettbewerb zwischen dem Moderator und seinem Studiogast aufgezeichnet worden. Dass sie dabei einen entblößten, posierenden, älteren Herren skizzierten, ist selbstverständlich nicht erwähnenswert.

Insgesamt gar keine schlechte Sendung um in die dritte Staffel von Neo Magazin Royale zu starten, obwohl mich Kollegah als Studiogast nicht unbedingt überzeugen konnte. Andererseits ist die europaweite Aktion natürlich eine sehr, sehr interessante Kampagne, die das um Längen wettmachen kann.
Das Rundfunktanzorchester Ehrenfeld zeigt auf jeden Fall Potenzial für die Show, sofern man nicht versucht sie mit dem musikalischen Team um Dendemann zu vergleichen, das doch deutlich aufmüpfiger war und eher den Charakter von Jan Böhmermann unterstrichen hat.

 

 

 

 
¹Name von der Redaktion geändert