[Eindruck Eins] Mr. Robot

„Wer ist Mr. Robot?“, könnte eine Frage lauten. Doch um das herauszufinden, muss erst einmal die Persönlichkeit von Elliot Alderson entschlüsselt werden. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn scheinbar ist die Realität nur eine subjektive Erscheinung, die sich nicht auf Werte wie „wahr“ oder „falsch“ herunterbrechen lassen. Oder ist es genau das? Viele Fragen, die beantwortet werden wollen. Ob das gut gehen kann? Mr. Robot Thumbnail


Vor einiger Zeit bin ich auf die US-amerikanische Fernsehserie Mr. Robot gestoßen, welche lange auf meiner Watchlist landete und dort unter einer daumendicken Staubschicht zu versauern drohte, bis sie mir noch einmal nachdrücklich zum Anschauen empfohlen wurde. Es handelt sich dabei um eine Produktion von Anonymous Content und Universal Cable Productions, die überwiegend nach dem Drehbuch und der Regie von Sam Esmail gedreht wurde. Zum aktuellen Zeitpunkt sind zwei Staffeln veröffentlicht worden; eine dritte wurde bereits für Oktober dieses Jahres angekündigt. Erstmals im Fernsehen ausgestrahlt wurde die Serie am 24. Juni auf dem Kabelsender USA Networks, der zu NBC Universal gehört. In Deutschland war Mr. Robot im Fernsehen noch nicht zu sehen. Hier ist sie seit 20. November 2015 in deutscher und originaler Sprache auf Amazon Video, und auch als Teil des Prime-Video-Angebots, zu sehen. Für diesen Beitrag habe ich die ersten fünf Episoden in der Originalvertonung angesehen.

Elliot und Mr. Robot in einer Bar

Elliot und Mr. Robot in einer Bar in der Nähe des Allsafe-Gebäudes

Der an einer Persönlichkeitsstörung leidende Elliot Alderson ist Hacker und macht sich dabei die Technik des Social Engineering zunutze. Konträr dazu ist er technischer Angestellter bei Allsafe, einer Firma für Computer- und Netzwerksicherheit. Deren größter und wichtigster Kunde ist der Konzern E Corp, der bereits zuvor unter Angriffen von Hackern litt. Eines Nachts kommt es zu einer DDoS-Attacke auf die Server von E Corp und Elliot wird als bester Mitarbeiter zur Lösung des Problems in Firma gerufen. Auf den Severn findet Elliot eine Datei namens fsociety00.dat vor, die von den Angreifen hinterlassen wurde. Er ist sich sicher: Diese Datei ist für ihn bestimmt, also belässt er sie auf der Festplatte.
Mr. Robot, Oberhaupt der Hackervereinigung fsociety, kontaktiert ihn daraufhin in der U-Bahn und unterrichtet Elliot von seinem Plan, E Corp zu stürzen und damit sämtliche Schulden der Menschen zu vernichten. Der erste Schritt dazu ist, dass Elliot in der Datei die IP-Adresse des E-Corp-CTO Terry Colby einfügen soll. Nach anfänglichem Misstrauen kommt er dem Auftrag nach und Colby wird verhaftet. Infolgedessen wird Elliot ein Job bei E Corp angeboten, die ihre IT-Sicherheit in Zukunft intern verwalten wollen, jedoch lehnt er ab. Daraufhin beginnt er, entgegen dem Versprechen mit Shayla, seiner Nachbarin und Dealerin, eine höhere Dosis Morphin als üblich zu nehmen, sodass er davon abhängig wird. Als Elliot Shayla erneut besucht, trifft er dort auf Fernando Vera, der seinerseits Shayla mit Drogen beliefert. Dieser betrachtet Shalya als sein Eigentum und misshandelt sie. Da er sämtliche Geschäfte öffentlich im Internet dokumentiert, hat Elliot gegen ihn Beweise, die er der Polizei übermitteln könnte. Da Shalya aber an den Drogen gut verdient, bittet sie Elliot, ihn nicht zu verraten.
Zwischenzeitlich bekommen Angela, eine gute Bekannte Elliots und ihr Freund Ollie, die beide auch bei Allsafe arbeiten, von einem Straßenkünstler eine Promo-CD, die sich aber nicht abspielen lässt. Stattdessen wird sein Computer mit einem Virus infiziert und der vermeintliche Sänger und Hacker der chinesischen Gruppe „Dark Army“ Cicso fordert Ollie auf, mit der CD das Netzwerk von Allsafe zu infizieren. Er verweigert dies, sieht sich allerdings gezwungen, Angela seine Affäre zu beichten. Diese rächt sich, in dem sie das Allsafe-Netzwerk über Ollies Rechner infiziert, bevor sie zurück zu ihrem Vater zieht.
Später taucht Darlene, welche ebenfalls Teil von fsociety ist, bei Elliot auf, um ihn ins Quartier der Hackergruppe zu bringen. Mr. Robot präsentiert dort sein weiteres Vorgehen, in welches Elliot involviert sein soll. Da bei der Aktion aber Menschenleben gefährdet werden, lehnt er ab und geht. Die Beziehung zwischen Elliot und fsociety scheint beendet, bevor die Gruppe medienwirksam E-Mails veröffentlichen, die beweisen, dass E Corp für die Tode von Elliots Vater und Angelas Mutter verantwortlich sind und er kehrt zurück. Allerdings entwickelt er nun einen neuen Plan, der vorsieht, in ein Gebäude der Datensicherheitsfirma Steel Mountain einzudringen und dort in einem Hochsicherheitsbereich einen Raspberry Pi anzubringen, über den Zugriff auf das Netzwerk erfolgen soll. Zur gleichen Zeit soll eine weitere Attacke durch die Dark Army erfolgen, zu der fsociety über Darlene und ihren Ex-Freund Cisco Kontakte hat, aber die chinesische Hackergruppe bricht den Kontakt ab.
Fernando Vera ist zwischenzeitlich nach einem anonymen Tipp verhaftet worden und verdächtigt nun, von Elliot verraten worden zu sein und kontaktiert ihn aus dem Gefängnis…

Angela, Ollie und Cisco

Cisco gibt Angela und Ollie die vermeintliche Promo-CD

Der Einstieg in die Serie gelingt leicht. Schnell wird klar, dass die Serie von Elliot und seinem Leben handelt. Er ist ein merkwürdiger Charakter, über den man zu Beginn wenig weiß, aber danach viel erfährt. Wegen seiner Persönlichkeitsstörung spricht er oft mit einer imaginären Person, der er seine Sicht auf die Welt verrät. Gleichzeitig blendet er dabei die Realität derart aus, dass er dabei die Teilnahme am sozialen Leben um sich herum völlig vergisst. Als Zuschauer fühle ich mich angesprochen und merke das zunächst gar nicht, tauche ein bisschen ein, in die Welt des jungen Hackers, fängt an seine Sichtweise zu adaptieren. Die Menschen um ihn herum sind wie Computer. Sie tragen Informationen in sich und tauschen sich untereinander aus. Wie ein Netzwerk. Und jedes Netzwerk hat seine Schwachstelle, seine Fehler. Fehler, die darauf warten gefunden und ausgenutzt zu werden. Vertrauen gewinnen und Informationen bekommen, die gar nicht für einen selbst bestimmt sind, mit denen man wiederum andere Menschen manipulieren und deren Vertrauen gewinnen kann. So hat man erst einen Computer unter Kontrolle und danach das gesamte Netzwerk.
Auf der anderen Seite scheint sich Elliot auch nach „normalen“ zwischenmenschlichen Beziehungen zu streben. Als Kind hat er das Vertrauen seines Vaters missbraucht, sodass dieser nicht einmal mehr mit ihm geredet hat und für seine Mutter war Elliot ein wertloses Etwas, das sie nach Belieben herumschubste. Sowohl in Gideon als auch in Mr. Robot findet er nun Menschen, die ihn und seine Leistung anerkennen, ihn wertschätzen. Auch, wenn die beiden Figuren bisher noch nichts miteinander zu tun gehabt haben, scheinen mir die beiden gewisse Parallelen zu haben. Über die Vergangenheit beider weiß man recht wenig, beide sind zielstrebig, verfolgen ihre Träume und sind erstaunlich kommunikationsschwache Anführer. Während Gideon dazu neigt, sich zurückzuziehen und um sich selbst zu kümmern, scheint Mr. Robot eine Art Vaterrolle für Elliot einzunehmen, der trotz gewisser Strenge, das Wohl Elliots seinem persönlichen unterordnet.
Interessant ist auch die Beziehung zwischen Elliot und Darlene. Darlene ist, neben Mr. Robot, die Einzige aus der fsociety-Gruppe, die von sich aus Kontakt zu Elliot sucht. Es scheint so, als wäre es für Darlene persönlich wichtig. Noch scheint nicht ganz klar, auf welchen Gegebenheiten dieses Verhalten beruht, aber irgendetwas scheint da zu sein.
Bisher wenig Kontakt zu den anderen Figuren hat Interims-CTO Tyrell Wellick, der bemerkenswert viel Aufmerksamkeit zugesprochen bekommt und in vielen entscheidenden Momenten, etwa dem Meeting bei Allsafe oder beim Eindringen in das E-Corp-Gebäude, zugegen ist. Einerseits könnte er ein Gegenspieler Elliots sein, andererseits ist seine Wichtigkeit noch nicht bewiesen. Dennoch vermute ich, dass noch mehr hinter diesem Charakter steckt, da viele Informationen über ihn und sein Privatleben preisgegeben werden.
Nicht zu vernachlässigen ist das Hacken, das in der Serie eine tragende Rolle spielt. Während viele filmische Darstellungen die Handlung des Hackens meist sehr stark visualisieren, wird in Mr. Robot darauf verzichtet. Das Vorgehen der Figuren ist überaus oft erfolgreich, zeigt aber auch Niederlagen und Probleme und wirkt auf mich als Zuschauer insgesamt plausibel. An vielen Stellen wird darauf aufmerksam gemacht, wie gefährlich persönliche Informationen in einem Passwort sein können. Denn wer einmal die nötigen Informationen hat, kann sich auch entsprechende Passwortmöglichkeiten generieren lassen.
Allgemein darf ich mich als Zuschauer über die zahlreichen Gelegenheiten freuen, gesellschaftliches Zusammensein, moralische Konflikte oder philosophische Ansätze zu hinterfragen; schließlich laden die Rollen von Elliot und Mr. Robot förmlich dazu ein. Noch schlimmer: Plötzlich befinde ich mich in einem Konflikt mit mir selbst, weil sich plötzlich Dinge bewahrheiten, von denen ich gar nicht möchte, dass sie wahr sind. Aber an dieser Stelle möchte ich mich wirklich zurückhalten, da ich hier weiter ausholen könnte, als Tiger Woods in seinen besten Tagen.

Elliot, hinter ihm Trenton, Darlene und Mobley

Elliot kehrt mit einem Plan zu fsociety zurück. Hinter ihm warten Trenton, Darlene und Mobley gespannt.

Insgesamt hat mich die Serie schnell abgeholt und mitgenommen, ohne mich zu überfordern. Die Geschichte und die Figuren wirken glaubhaft und laden zum Weiterschauen ein, wenngleich der imaginäre Charakter um Elliot sein Werk dazu beiträgt. Ich möchte nun weiterschauen und wissen, ob die Serie das Niveau weiter aufrecht halten kann und ob Mr. Robot seinem großem Ziel näher kommen kann.
Abschließend kann ich nur ausdrücklich empfehlen, sich den philosophischen Gedankenspielen hinzugeben und sich vielleicht sogar etwas besser kennenzulernen.

Zusätzliche Quellen: IMDb