D-Link DRU-R100 – Computer statt Kassette

D-Link DRU-R100 – Computer statt Kassette

Immer weniger Menschen hören Radio. Noch oft auf dem Weg zur Arbeit um die aktuelle Verkehrslage zu verfolgen, aber weniger um gezielt Musik zu hören. Längst vorbei sind auch die Zeiten, in denen Musikliebhaber stundenlang vor dem Radio hockten, auf einen Song warteten um ihn dann auf Kassette aufzunehmen bevor ihm doch der Moderator mit einer Stauwarnung in die Parade fährt. Digitale Downloads und Musikstreaming sind inzwischen ein ernst zu nehmendes Geschäft in der Musikindustrie.
Und mitten in der Geschichte gibt es dieses kleine Gerät. Ein Radio, das vom PC aus bedient werden kann und gleichzeitig eine Aufnahmefunktion bietet. Das D-Link DRU-R100.

Als das PC-Radio im Jahr 2000 auf den Markt kam, war das Ende des Kassetten-Zeitalters erreicht und Musik wurde überwiegend auf CDs vertrieben. Radio-Livestreams steckten noch in den Kinderschuhen. Wer kostenlos die neusten Chartklänge in Endlosschleife hören wollte, musste sich in die rechtliche Grauzone von Tauschbörsen wie etwa Napster begeben – oder wählte die digitale Version der klassischen MC-Aufnahme.

Verpackung des D-Link DRU-R100

Die Verpackung des damals für 70 DM angebotenen Radios hat ein bisschen etwas von einem Spielzeug; zumindest lässt der etwas kindlich wirkende „NetEasy“-Schriftzug auf der Verpackung darauf schließen. Der Inhalt der Verpackung kommt allerdings deutlich seriöser daher und umfasst ein Handbuch, eine CD für Software und Treiber, eine Antenne und natürlich das Gerät selbst.
Das Handbuch ist mehrsprachig und erklärt auf 13 deutschsprachigen Seiten den Funktionsumfang des Gerätes. Etwas verwirrend ist allerdings, dass die Anleitung von einer Installationsdiskette spricht, obwohl eine CD beiliegt. Jedoch sollte das für den mündigen Computernutzer kein Problem darstellen. Eigentlich ist das Prinzip auch selbsterklärend: Antenne an das Radio. USB-Stecker in die Buchse und das Audiokabel an den Eingang der Soundkarte, zuletzt die, leider nur englischsprachige, Software installieren und loslegen.
Auf der Packung wird kein Betriebssystem gefordert, also stecken wir das Ding fröhlich an einen aktuellen Rechner – und dürfen sofort feststellen, dass weder Treiber noch Software unter Windows 10 Eindruck schinden können. Ein Blick ins Handbuch verrät, dass der Nutzer doch bitte Windows 98 haben sollte um Musikgenuss erleben zu dürfen. Ganz gewagt habe ich dann einen Rechner mit Windows Me genommen und siehe da, es fluppt.

Inhalt und Zubehör des D-Link DRU-R100

Die Installation verläuft reibungslos und nach einem Dialog, ob man das Audiokabel an den Line-in oder an den Mikrofoneingang gesteckt hat, kann man loslegen. Entweder wählt man über den Schieberegler eine Frequenz aus oder lässt den Sendersuchlauf die Arbeit machen. Dieser arbeitet allerdings, je nach Empfangsqualität, nicht immer ganz genau, sodass man unter Umständen noch manuell nachkorrigieren muss. Hat man einen Sender gefunden, kann man diesen in einem Preset speichern und beim nächsten Mal direkt wieder auswählen. Es gibt insgesamt 200 mögliche Speicherplätze, von denen jeweils 10 seitenweise angezeigt werden. Leider sind die Seiten nicht nummeriert, aber wo kann man schon 200 Sender empfangen?
Neben einer Funktion zum zeitgesteuerten Ein- und Ausschalten des Radios, gibt es selbstverständlich die Aufnahmefunktion, mit der das laufende Programm aufgezeichnet und gespeichert werden kann. Als Format dient WAV, welches unkomprimiert und somit verlustfrei aufnimmt. Somit ist für die Qualität also nur der Empfang und die Soundkarte verantwortlich. Um die Aufnahmen platzsparend zu speichern, bietet das Programm die Möglichkeit, die WAV- in eine MP3-Datei umzuwandeln. Leider sind die Einstellungsmöglichkeiten dabei etwas eingeschränkt, sodass sich ein eigenständiges Audiobearbeitungsprogramm empfiehlt.

Software zur Bedienung des D-Link DRU-R100

Nach fast 17 Jahren braucht so ein Ding natürlich niemand mehr, zumal es auf aktuellen Systemen gar nicht mehr funktioniert. Dank Streamingangeboten wie Spotify, Deezer oder Ampya ist Musik viel weniger ein Produkt als eine Dienstleistung. Dennoch bot es eine Möglichkeit, an digitale Musikstücke zu kommen, ohne dabei straffällig zu werden. Außerdem konnte so bequem bei Ankündigung eines Stückes bereits die Aufnahme gestartet, danach zurecht geschnitten und bei Bedarf auf CD gebrannt werden. Natürlich erreicht man damit nicht die Qualität der gepressten CDs oder MP3-Rips, aber für gratis Musik durchaus akzeptabel, wenngleich der echte Charme der Kassette dabei verloren geht.

Eine kleine Hörprobe aus dem Nachrichtenblock des Deutschlandfunk vom 13.02.2017, 11:00 Uhr gibt es hier.

Zusätzliche Quellen: Radiozentrale, RMS, Bitkom, Chip

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.